Geschichtlicher Hintergrund


Karate entwickelt sich über 1000 Jahre als Kunst der Selbstverteidigung bzw. auch als Kampf- und Kriegskunst (Budo). Es basiert auf einer waffenlosen Kampfkunst, deren Ursprünge auf die Insel Okinawa zurückzuführen sind.


Karate und die Geschichte Okinawas sind ist nicht zu trennen. Deshalb folgt nun ein kurzer Einblick in dieselben. Okinawa bedeutet „Tau im offenen Meer“ (W. Lind, Okinawa – Karate, S.19). Es ist die Hauptinsel des aus 140 Inseln bestehenden Ryukyu – Archipels. „Der Ursprung der Bevölkerung ist ein ungeklärtes völkerkundliches Rätsel“ (W. Lind, Okinawa–Karate, S.19). Sie setzt sich aus gestrandeten Asiaten vom Festland, aus Einwanderern Japans, die durch Rassenverfolgung zur Auswanderung gezwungen wurden, aus Malaien, Mongolen, Chinesen und Philippinen zusammen.


Okinawa war in seiner Geschichte ein Land vieler Veränderungen. Die Insel wurde oft durch die Chinesen und Japaner besetzt, wodurch intensiver Kulturaustausch vollzogen wurde. Diese Besatzungen sind Knotenpunkte für die Entwicklung des Karate, denn es wanderten Priester, Soldaten, Beamte und politisch Verfolgte ein (vgl. W. Lind 1997, S.19, 20). Dieser Austausch hielt auch in der Zeit der japanischen Besatzung an. In der Regierungszeit des Königs Sho Hashi (1422-1439) wurde der Besitz von Waffen auf ganz Okinawa verboten, um eine Bedrohung des Throns zu bannen. Ein Nebeneffekt des Verbots war die Entwicklung der waffenlosen Kampfkünste.


An dieser Stelle muss ein Schüler der beiden Meister Azato Ankound Itosu Yasutsune näher betrachtet werden. Wie schon erwähnt ist der Name des Schülers Funakoshi Gichin. Er wurde 1869 auf Okinawa, als einziger Sohn einer niederen Shizoku-Familie geboren und verlebte seine Kindheit bei seinem Großvater Gifu, einem konfuzianischen Gelehrten. Dort studierte er klassische chinesische Literatur. In seiner Grundschulzeit übte Funakoshi bei Azato Anko im Geheimen Karate. Er besuchte seinen Lehrer bei Nacht und übte oft bis in die Morgenstunden. 1936 gründete Gichin Funakoshi (1868-1957) das Shotokan Karate. Diese Stilrichtung, das traditionelle Karate wie wir es heute kennen ist wohl der verbreitetste Stil in Europa. 

 

Die 3 Säulen des Karate

Karate besteht im wesentlichen aus 3 Basisdisziplinen. Kihon (Grundtechniken), Kata (Kampf gegen einen imaginären Gegner) und Kumite (Zweikampf).

Die Grundschule (Kihon) ist das Basis- und Grundlagentraining im Shotokan-Karate. Es stellt den ersten methodischen Lernschritt der Techniken im Training dar. Die Grundschule wurde erst nach der Entwicklung des Kumite ins Karate integriert, da erkannt wurde, dass Techniken verbessert und Schwachpunkte gezielter in Stärken umgewandelt werden konnten. Heute dient die Grundschule dem Erlernen der Grundfertigkeiten und Grundtechniken, der dann die Übungen der Kata und des Kumite folgen. Daraus entwickelte sich langsam eine Systematisierung der Grundtechniken. Den Anfang der Systematisierung bilden die Stände (japanisch Dachi) bzw. die Körperstellungen. Die Stände ermöglichen Standfestigkeit, größtmögliches Gleichgewicht, gewährleisten optimale Beweglichkeit für spezifische Situationen und beruhen auf Kraft und Beweglichkeit.

Eine Kata ist ein vorgeschriebener Ablauf eines Kampfes gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner. Kata bedeutet übersetzt Form. Karate wurde anfangs auf Okinawa und nach der Einführung auf dem japanischen Festland fast ausschließlich durch Kata trainiert. Durch die Kata werden die Künste von Generationen zu Generationen überliefert. Sie stellt sozusagen die Lehrbücher dar. Kata ist geeignet die innere Haltung zu schulen und die Technik zu erlernen, aber auch Atmung, Ruhe, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist und Rhythmus sind Inhalte die eine Kata lebendig machen. In der Richtigen Ausführung einer Kata sieht der Karateka die imaginären Gegner und reagiert auf deren Angriffe. Während des ganzen Kampfes behält er seine Wachsamkeit. Seine geistige und körperliche Spannung löst sich erst, wenn die Kata beendet ist, also kein Angriff mehr erfolgt. 

Kumite (Kampf oder im japanischen Sinne "Begegnung der Hände) oder  ist eine weitere Säule des Karate-Trainings. Der Karateka wird während seiner Laufbahn von den einfachen Formen zu den schwierigeren geführt. Dabei werden in den unterschiedlichen Formen systematisch die Freiheit der Kämpfer erhöht.

 

Zen-Buddhismus

Karate-Do beruft sich auf die Tradition des Zen-Buddhismus, eine besondere Form des Buddhismus welche im 12. Jahrhundert nach Japan kam. Durch verschiedene Übungen und Methoden wird versucht eine von Gedanken, Wünschen und Absichten freie Geisteshaltung zu erreichen. Das angestrebte Ziel ist das sogenannte Satori (Erleuchtung).

Im Zustand des Satori wird man ausgelöst aus der begrenzten Individualität des gewöhnlichen menschlichen Seins. Durch die ständige Wiederholung von Bewegungen versucht man im Zen, die Konzentration auf das Tun zu erhöhen und den Fluss der Gedanken zu vermindern. Dies führt immer mehr zum Zustand der entspannten Wachsamkeit, dem sogenannten Zanshin. Zanshin bedeutet die totale Wachsamkeit, eine konzentrierte und bewusste Form der Aufmerksamkeit. Man erfasst den Gegner und dessen Bewegungen als Ganzes. Das funktioniert nur, wenn das eigene Bewusstsein frei von Angst, Wut, aggressiver Absicht oder Zweifel an sich und seine eigenen Fähigkeiten ist. Die augenblickliche Situation wird erfasst und die Aktionen entstehen von selbst. 

 

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